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Fondsmanager Roberts: "Japan hat viel Potenzial"

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Während andere Märkte boomen, liegt der Nikkei seit Anfang 2010 zwölf Prozent im Minus. Warum kommen japanische Aktien einfach nicht in Fahrt? €uro am Sonntag sprach mit Tony Roberts, seit Anfang 2009 im Managementteam des Fonds Japanese Equity Core von Invesco.

€uro fondsxpress: Herr Roberts, Experten weisen bereits seit zwei Jahren unablässig darauf hin, wie attraktiv japanische Aktien sind. Trotzdem haben sie auch in diesem Jahr wieder enttäuscht. Warum?
Tony Roberts: Vor allem die Sorgen um die weltweite Konjunktur haben den Exportwerten zugesetzt, und der starke Yen hat seinen Teil auch dazu beigetragen. Die wenig erfreuliche Entwicklung japanischer Aktien kann aber auch daran liegen, dass viele Anleger Japan einfach nicht lieben und stattdessen lieber auf das boomende China und andere Emerging-Markets-Länder setzen. Dabei ist Japans Wirtschaft seit 2009 ähnlich stark wie in anderen Ländern gewachsen, und das japanische Bruttoinlandsprodukt ist in den vergangenen vier Quartalen gestiegen.

Die politische Situation durch den Rücktritt Hatoyamas und den neuen Premier Kan hatte also keinen Einfluss?
Politik spielt für die Unternehmen in Japan im Grunde keine Rolle. Sie kann sowieso kaum die Wirtschaft stimulieren, da nur wenig Geld da ist. Und zudem herrscht Konsens darüber, dass über kurz oder lang die Mehrwertsteuer erhöht wird. Das ist für die Unternehmen kein Beinbruch, da sie in Japan sowieso nur sehr geringe Margen haben. Geld verdienen sie im Ausland.

Aber die Export–abhängigkeit ist doch ein zweischneidiges Schwert?
Sicher. Das lässt sich nicht aus der Welt schaffen. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren beim Export einiges verschoben. Europa und die USA sind lang nicht mehr so bedeutend wie noch vor zehn Jahren. Inzwischen ist China der wichtigste Handelspartner, und weitere 30 Prozent der Exporte gehen ins restliche Asien. Diesen Wandel haben viele noch nicht richtig wahrgenommen.

Profitieren die Unternehmen von der Verschiebung?
Die Gewinne der Unternehmen liegen inzwischen wieder über dem Vorkrisenniveau und das trotz sinkender Umsätze. Schätzungen von Nomura zufolge sollen die Gewinne der Topix-Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr im Schnitt um knapp 58 Prozent steigen. Wir halten diese Schätzung für deutlich zu konservativ.

Auf dem Aktienmarkt hat sich diese Erwartung noch nicht durchgesetzt. Was spricht trotz der schlechten Stimmung für japanische Titel?
Zum einen sind die Aktien nach 20 Jahren Talfahrt sehr günstig bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beim Topix liegt gerade einmal bei eins. Zudem sind die Unternehmen in den vergangenen Jahren viel aktionärsfreundlicher geworden. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den inzwischen attraktiven Dividendenrenditen. Und japanische Unternehmen sind sehr gut positioniert, um Profiteur Nummer 1 vom weiteren Aufstieg Asiens zu werden.

Warum sollten Anleger Ihrer Meinung nach ausgerechnet jetzt in Japan-Fonds einsteigen?
Timing ist grundsätzlich immer ein Problem, da Japan sehr zyklisch ist. Aber auf Sicht von zwei bis drei Jahren wäre ich nicht erstaunt, wenn die Indizes um 50 Prozent höher stehen als heute. Denn niemand traut Japan derzeit etwas zu. Daher ist das Überraschungspotenzial groß. Auch bei den Unternehmensgewinnen. Wir können uns vorstellen, dass sie deutlich stärker zulegen als in anderen Industrieländern.